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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : MPU am Montag 21.04.2008 Teil 1 ( Hilfe erbeten )


familyman
17.04.2008, 14:07
Was ist passiert?
Ich habe die Regeln des Straßenverkehrs mehrfach missachtet.

Warum sind Sie hier?
Ich möchte erklären wie sich mein Verhalten geändert und wie es dazu kam.

Wie viele Verstöße hatten sie?
Mir wurden 11 Verstöße mit Punkten belastet. Insgesamt hatte ich noch ein paar mehr, welche aber gar nicht geahndet oder nicht mit Punkten angerechnet wurden.

Was waren das für Verstöße?
(möglichst Datum und zu welcher Tageszeit-je genauer, desto besser)
1. Am 11.09.2002 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. inn. geschl. Orstch. ( 50 kmh ) um 22 km/h
2. Am 06.06.2003 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 100 kmh ) um 29 km/h
3. Am 20.01.2004 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 120 kmh ) um 28 km/h
4. Am 05.08.2004 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. inn. geschl. Orstch. ( 50 kmh ) um 25 km/h
5. Benutzen des KFZ im gesperrten Verkehrsbereich §250/251/253/254/255/260 ( Autobahnauffahrt für Dienstfahrzeuge )
6. Am 28.12.2004 Benutzung Handy
7. Am 28.02.2005 Benutzung Handy
8. Am 09.05.2005 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 30 kmh ) um 22 km/h
9. Am 16.06.2005 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 70 kmh ) um 29 km/h
10. Am 12.03.2007 Benutzung Handy.
11. Am 23.06.2007 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 50 kmh ) um 34 km/h

Was hätte passieren können bei den jeweiligen Delikten?
Ich hätte einen Unfall verursachen können und dabei andere und mich selsbt verletzen können.

Was ist ihrer Meinung nach im Straßenverkehr besonders wichtig?
Die Verkehrsregeln zu beachten, vorrausschauend zu fahren und auf die Sicherheit zu achten.

Warum ist es passiert?
Ich bin in einer heilen Welt groß geworden. Meine Familie war intakt und es gab keine Probleme. Da ich gesetztestreu und christlich erzogen worden bin, bin ich auch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Allrdings wurde ich auch sehr selbstbewusst erzogen und hatte eine hohe eigenständigkeit. Mit 4 Jahren bin ich bereits alleine mit dem Flugzeug zum Beusch meiner Großerltern geflogen. Mit 9 Jahren bin ich allein mit der S-Bahn von Hilden nach Düsseldorf in die Stadt gefahren. Seit dem ich 12 bin, bin ich allein mit Jugendgruppen in Urlaube gefahren. Mit 16 bin ich allein mit Freunden in den Urlaub gefahren. Auch in meiner Freizeit durfte ich viele Dinge selbstsändig unternehmen. Auf Konzerte gehen, Abends ausgehen. Meine gesamte Schullaufbahn und meine Ausbildung habe ich alleine gesteuert. Entschieden wie ich mich Bilde und wo. Meine Eltern ließen mir alle Freiräume, da Sie sahen, dass ich in der Lage war die Dinge allein zu meistern. ICh selbst hatte so auh das Gefühl dies un zu können. Da ich Einzelkind war, hatte ich auch keine Vergleichswerte einer Entwicklung im eigenen Elternhaus. Andere Kinder, die weniger selbstständig waren, hatte ich immer als etwas weicher angesehen. Nach meiner Ausbildung zum Industriekaufmann bei Henkel, habe ich dann ein Studium der Wirtschaftswissenschaften angefangen. Innerhalb der ersten Monate habe ich direkt gemerkt, dass dies nicht das richtige für mich ist, also habe ich mich entschieden etwas selbstsändiges zu unternehmen. Da meine Großeltern nach Griechenland ausgewandert sind und dort gemeinsam mit meinen Eltern ein Grundstück mit Olivenbäumen besaßen, entschloss ich mich das selbst angebaute Olivenöl hier in Deutschland zu vertreiben. Da wir nur die beste Qualität produzieren, hatte ich mich entschlossen diese auch im Premium Handel zu platzieren. Als zweites Standbein war der Vertrieb an die gehobene Gastronomie gedacht. Um dies zu verwirklichen, hatte ich mir vorgenommen, alle Kunden persönlich zu besuchen. Deshalb musste ich in nahezu gesamten Bundesgebiet mit dem Auto unterwegs sein. Da ich keine Erfahrung hatte und mir auch keine großartigen Gedanken über den Straßenverkehr und meine Fahrweise gemacht hatte, habe ich versucht so viele Termine wie möglich am Tag wahrzunehmen. Dies führte zu zu schnellem Fahren und Missachtung der Verkehrsregeln. Ich hatte mir keine Gedanken über die Sicherheit anderer oder meine Eigene gemacht. Im Kopf hatte ich nur das Unternehmensziel und eine Familie zu gründen. Dies ist mir 2006 auch mit einer Hochzeit gelungen. Dies war für mich ein Schlüselerlebnis, was zu einer kompletten Änderung meiner Lebenseinstellung geführt hat. Ich habe unterbewusst mit den ersten Strategien zur Verbesserung meiner Lebensplanung in privater sowie beruflicher Sicht begonnen. Die nächst Übertretung der Geschwindigkeit war dann 2007 als meine Frau mit meiner Tochter Melina ( heute 7 1/2 Monate alt ) schwanger war. Meine Frau hatte eine gefährdete Schwangerschaft mit starken Blutungen und daraus resultierend vielen Uni-Klinik besuchen wegen akuten Blutungen und damit Notfällen. Aufgrund dieser Grenzerfahrungen, habe ich nochmals wiederrechtlich ein Mobiltelefon benutzt und die Geschwindigkeit übertreten.

Wie konnten so viele Verstöße zusammenkommen?
Die Anzahl der Verstöße lässt sich rückblickend für mich dadurch erklären, dass ich damals noch in einem unreifen Lebensabschnitt war und speziell auf meine Person bezogen, aufgrund meines übersteigerten Selbsbewusstseins. Welches zum Teil auf meine Erziehung zurück zu führen war. Ich habe die Konsequenzen ignoriert und gedacht, ich komme an einer Strafe vorbei. Die Möglichkeit, dass ich andere Gefärde hatte ich vollkommen ausser Acht gelassen.

Warum haben sie sich (immer wieder) so verhalten?
Da mich die Bestrafungen nicht zum Nachdenken angeregt haben. Zwischen den einzelnen Übertretungen habeich nie über das eigentliche Problem, nämlich mein falsches Verhalten, nachgedacht. Dies flammte nur ganz kurz in meinem Gewissen auf. Stattdessen habe ich mich nur geärgert, dass ich erwischt worden bin. Dies geriet dann in Kürze wieder in Vergessenheit.

Wie war Ihre Gefühlslage bei diesen Delikten, (bitte jedes Delikt einzeln bewerten)
1. Am 11.09.2002 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. inn. geschl. Orstch. ( 50 kmh ) um 22 km/h
Ich habe mich nur über das Strafgeld und den mögl. Punkt und mich selbst geärgert.

2. Am 06.06.2003 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 100 kmh ) um 29 km/h
Ich habe damals noch gedacht, es wäre ungerecht, da ich ja mehr fahre als andere und deshalb anders behandelt werden müsste.

3. Am 20.01.2004 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 120 kmh ) um 28 km/h
Ich dachte damals, dass es ja nur 28 km/h auf der Autobahn zu schnell waren und das ja nicht so schlimm wäre wie innerorts.

4. Am 05.08.2004 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. inn. geschl. Orstch. ( 50 kmh ) um 25 km/h
Ich hatte versucht pünktlich zum Termin zu kommen. Heute ist es mir egal ob ich pünktlichbeim Termin bin und ich kalkuliere viel mehr Zeit zwischen den Terminen ein.

5. Benutzen des KFZ im gesperrten Verkehrsbereich §250/251/253/254/255/260 ( Autobahnauffahrt für Dienstfahrzeuge )
Ich wollte Zeit Sparen und habe deshalb die Abkürzung versucht.

6. Am 28.12.2004 Benutzung Handy
Ich kannte das Gesetz noch nicht.

7. Am 28.02.2005 Benutzung Handy
Ich dachte bei stehendem Wagen, wäre trotz laufendem Motor das telefonieren erlaubt.

8. Am 09.05.2005 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 30 kmh ) um 22 km/h
Ich war im terminlichen Streß und hatte das Schild nicht beachtet bzw. übersehen.

9. Am 16.06.2005 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 70 kmh ) um 29 km/h
Auch hier war ich terminlich im Streß.

10. Am 12.03.2007 Benutzung Handy.
Wegen der Blutungen meiner Frau in Ihrer Schwangerschaft, dachte ich für mich würden in diesem Moment Ausnahmeregelungen gelten.

11. Am 23.06.2007 Überschreitung der zul. Höchstgeschw. auß. geschl. Orstch. ( 50 kmh ) um 34 km/h
Ich wollte schnell zu meiner Frau um mit Ihr ins Krankenhaus zu fahren.

Was haben Sie als Ursache für die Verstöße herausgefunden, hatten Sie dabei Hilfe? Ich habe als Ursache meine persöhnlich Characktereigenschaften identifiziert. Ich habe mich damals überschätzt und war egoistisch. Dies habe ich durch eigenes Überlegen herausgefunden. Zusätzlich hatte ich Hilfe durch meine Frau, welche ich Ende 2003 kennen lernte. Außerdem hatte ich Hilfe von einem befreundeten Pschologen, welcher mir verdeutlichtete, dass ich ein Problem hatte. Ich hätte beim Autofahren nicht über die Konsequenzen von zu schnellem Fahren und der Missachtung der Regeln nachgedacht. Damit hatte er Recht, habe ich festgestellt. Außerdem habe ich mir die neuen Schockvideos der Polizei angesehen. Es hat mir sehr geholfen mich bewusst mit den Konsequenzen auch visuell auseinander zu setzen.

familyman
17.04.2008, 14:10
Wie schätzen Sie sich für die damalige Zeit als Fahrer ein?
Es mangelte mir nicht an Fahrerischem können, sondern an reflektiertheit über das eigentliche tun. Ich habe nur oberflächlich über die Konsequenzen nachgedacht.

Wie haben sie auf das Verhalten der Polizei reagiert nachdem sie gestoppt oder gelasert wurden?
Ich habe mein Fehlverhalten akzeptiert, jedoch nicht über die Gründe oder eine Strategie zur zukünftigen Vermeidung nachgedacht.

Wie haben sie auf die ersten Verwarn- bzw. Bußgelder reagiert?
Ich habe mich über mich selbst geärgert, und zu Begin aber keine Gedanken zur Ursachenforschung unternommen. Später habe ich dies getan.

Was hatten sie sich vorgenommen, um keine Vekehrssünden zu begehen?
Auf die Geschwindigkeit zu achten. Dies war allerdings zu wenig und ging nicht auf den Kern meines Problems ein.

Warum konnten sie ihre guten Vorsätze nicht einhalten?
Weil ich nicht reflektiert genug über die Wahren Gründe nachgedacht habe. Früher habe ich mich selbst nicht als Problem gesehen.

Gibt es ein Zusammenhang zwischen dem Punktesammeln und bestimmten Ereignissen in ihrem Leben?
Die Selbständigkeit und damit verbundene Fahrleistung führte zu einem drastisch ehöhten Fahraufkommen. Da ich damals noch nicht erkannt hatte, was ich warum falsch machte, kam es zu den vielen Puntken.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Verhalten reagiert?
Es wurde nicht besonders kommentiert.

Wieso passiert es nicht wieder?
Ich habe den Kern meines Problemes erkannt. Durch eingehende Analyse und viel Arbeit an mir selbst bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das Problem in mir liegt und bei keinem anderen. Nur ich kann meine Einstellung ändern und somit gewährleisten, dass ich auch in Zukunft das Gesetzt beachte. Mir ist klar, dass ich durch zu schnelles Fahren keines meiner Ziele besser erreiche. Das entscheidenden ist andere Menschen und mich selbst keiner Gefahr ausszusetzen. Dies ist nur möglich wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten. Andere erwarten und rechnen damit, dass ich mich auch an diese halte. Selbst wenn ich in eine Streßsituation gerate, werde ich nicht versuchen eine Lösung durch zu schnelles Fahren herbei zu führen. Mir ist klar, dass Streß zB. zu Denkblockaden führen kann, da Denken unnötige Zeit in Anspruch nimmt. Da ich als Autofahrer vielen Streßfaktoren wie Lärm, Signale, andere Verkehrsteilnehmer, Stau und Wetter ausgesetzt bin, ist es besonders wichtig zu versuchen den Streß im Griff zu haben. Als weiter Hilfe habe ich mir einen Hinweis auf mein Tachometer gemalt und eine Funktion im Navigationssystem eingerichtet, welche piept wenn ich eine gewisse Geschwindigkeit überschreite. Zb. 50 km/h, 100 km/h und 120 km/h Ich habe begonnen, den Bewegungsmangel, der durch das viele Autofahren besteht, durch häufige Spaziergänge mit meiner Tochter oder/und mit meiner Frau, sowie häufiges Fahrradfahren zu kompensieren. Hierzu habe ich mir ein neues Mountainbike zugelegt. Außerdem sind wir zur Außübung körperlicher Aktivitäten nach Unterbach in eine grüne Umgebung gezogen.
Um mein professionelles Arbeiten zu verbessern, habe ich ein eigenes Büro angemietet. Zuvor habe ich mit im Gemeinschaftsbüro in Solingen gearbeitet oder im Haus der Familie, wo ich jeweils durch di anderen Mitarbeiter bzw. andere Familienmitglieder abgelenkt war. Wir haben auch mehr Mitarbeiter eingestellt um die Aufgaben besser zu verteilen. Mir ist bewusst, dass die Äußeren Einflüsse nur unterstützend gelten und die eigentliche Veränderung von mir selbst ausgeht. Die 6 Monatige Sperrfrist hat mir zusätzlich geholfen zu Erkennen, dass ich wirklich gegen das Gesetz verstoße habe und eine potentielle Gefahr für die Allgemeinheit darstellte. Ich habe auch durch meine neue Persepktive als Beifahrer interessante Erekntnisse gewonnen. So habe ich zum Beispiel festgestellt, wie verrückt ich damals aus Sicht der anderen Autofahrer gewirkt habe. Ich habe mein früheres Ich in den anderen Rasern um mich herum widerentdeckt und ein starkes Schamgefühl empfunden. Mir ist bewusst, dass ich damals eine vollkommen falsche Einstellung hatte.

Was war der konkrete Anlaß für Ihr Umdenken?
Im ersten Schritt das Aufbauseminar bei der Fahrschule Messinger. Danach de beiden Vorfälle 2007. Dabei ist mir klar geworden, dass die Erkenntniss, dass ich etwas falsch gemacht habe nicht ausreicht. Ich muss auch wissen das ich wirklich etwas tun muss. Zu guter letzt dann der Führerschein Entzug. Ich bin nun noch kritischer mit mir umgegangen und habe endgültig jegliche Schuld nur noch auf mich alleine Projeziert. Die Geburt meiner Tochter war zusätzlich ein Schlüsselerlebnis für mich. Für einen vollkommen hilflosen Menschen verantwortlich zu sein, hat auch mein Verantwortungsgefühl ggü. Fremden, also allen anderen Menschen einschl. derer im gesamt. öffentl. Straßenverkehr geändert.

Was haben Sie an Änderungen unternommen?
Ich habe meine Einstellung gegenüber anderen geändert. Ich habe mich pschologisch Beraten lassen.
Konkret habe ich zum Beispiel, eine ruhige Arbeitsatmosphäre geschaffen. Mir mehr Zeit im Leben für alle Dinge die ich tue einkalkuliert. Einschl. aller Fahrten die ich an jegliche Ziele mit dem PKW unternehme. Die Fahrten die ich berufl. Plane, plane ich nun Zb. mit Microsoft Mappoint. Ich habe ein neues Fahrzeug gekauft. Einen Touran mit Tempomat. Ich habe einen neuen Mitarbeiter eingestellt um die Aufgabenbelastung zu verteilen. Ich treibe Sport, was ich früher nicht tat. Ich nutze eine Freisprecheinrichtung im Auto.

Wer hat Ihnen dabei wie geholfen?
Ein Psychologe des TÜV Nord, stellte mir diesen Fragenkatalof und führte mir vor Augen wo meine Deizite liegen. Das es schwierig ist an mich heran zu kommen. Ein Psychologe von Psykoeln erklärte mir dass ich in meinem Charakter defizite habe, die ich ändern müsste um NAchhaltig etwas zu verbessern. Meine Familie, insbesndere meie Frau, indem Sie mir als besseres Beispiel zeigte wie man es besser machen kann. Wie mann sich an die Verlehrsregeln halten kann. Sie hatte in London einen Verkehrsunfall wobei Ihr ein Taxi mit hoher Geschwindigkeit in die Seite prallte und Sie sich überschlug. Dieses traumatische Erlebnis brachte Sie zu einer sehr vorsichtigen Fahrweise. Bücher zum Thema und das Internet, halfen mir die Situationen andere zu erkennen. Ich habe zum Besipiel festgestellt, dass ich zu einer extremen Minderheit gehöre. Es sind wohl unter 1% der Verkehrsteilnehmer die in meiner extremen Punktesituatin stecken.

Wie empfinden sie diese Änderungen?
Als große Bereicherung für meine persönliche Entwicklung. Durch eine strukturiertere Lebensplanung, prfessionell als auch privat gehe ich viel entspannter durch das Leben. Es fühle mich auch besser und weniger angespannt.

Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese Änderungen?
Durchweg positiv. Bis auf entfernte Bekannte, die beklagen ich hätte nun keine Zeit mehr für Sie.

Gibt es negative Rückmeldungen zu Ihrem jetzigen Leben?
Einige Bekannte beklagen, dass ich weniger Zeit für Sie habe, dies ist mir jedoch egal. Da ich mich jetzt nur noch mit ausreichend Zeit um wesentliche Dinge kümmere. Ich nehme mir Zeit für einzelne Dinge. Anderes muss warten oder ist eben nicht machbar.

Welche Einstellung zur Verkehrssicherheit haben sie heute und was ist daran neu?
Heute vertrete ich die Einstellung, dass ich mich an die Verkehrsregeln halten muss und auch konzetriert darauf achten muss diese einzuhalten. Die Gewährleistung der Sicherheit Anderer und meiner selbst ist nur dann gesichert, wenn ich penibel darauf achte, das ich alle Regeln beachte. Neu ist daran, dass ich früher zwar grundsätzlich versucht habe die Verkehrsregeln zu beachten, aber meine eigenen Außnahmen gestaltet hatte. Dass ich ZB. auf einer übersichtlichen Landstraße oder der Autobahn ruhig ein wenig schneller sein dürfte oder das Telefonieren mit dem Handy nicht so schlimm sein, wenn ich langsam fahre. Heute sehe ich das anders. Ich weiß, dass ich mich immer und außnahmslos an alle Regeln halten muss, da Sie für alle gleich gelten. Und nur bei Einhaltung aller Regeln durch alle, eine Sicherheit im Straßenverkehr möglich ist. Wenn ich ZB. eine Regel missachte, kann der andere dies zum einen nicht wissen und nicht darauf vorbereitet sein und ich kann die Kontrolle über das Auto nicht mehr gewährleisten.

Was wollen sie konkret tun, damit sie ihre Vorsätze diesmal einhalten können?
Ich habe bereits etwas getan, und zwar mich mit mir selbst Beschäftigt und herausgefunden warum es damals dazu kam. Ich habe nun keinen Vorsatz sondern meine Lebenseinstellung verändert. Meine Strategie ist langfristig ausgelegt auf mein gesamtes Leben und nicht nur für die nächsten paar Autofahrten. Ich möchte aus dieser Angelgenheit gestärkt hervorgehen. Ich habe den Führerscheinentzug und die Anordnung mittlerweile als Chance identifiziert und bin froh, dass ich hierdurch zu meinen heutigen Erkenntnissen gelangt bin. Dazu gehört zum Beispiel, Kritik immer anzunehmen und zu übderdenken. Dies schließt natürlich auch das hier gesagte ein.


Was könnte ihre guten Vorsätze wieder zum scheitern bringen?
Nichts, da ich erkannt habe wo das Problem liegt bei der nächsten Auffäligkeit sofort Hilfe aufsuchen werde.

Was wollen Sie unternehmen, wenn Sie einen Rückfall bemerken?
Ich würde mich zu einem Beratungsgespräch bei einem Verkehrspsychologen anmelden und mir eine Empfehlung für Maßnahen geben lassen, die mir weiterhelfen.

familyman
17.04.2008, 21:50
Bitte um Hilfe von euch.

K.Putnik
17.04.2008, 21:53
Bekommst du auch sicher bald! Hat sich nur noch niemand berufen gefühlt, nimms uns nicht übel...

Ich schau mal grob drüber jetzt, wenns niemand anderes machen will...

MfG

K.Putnik
17.04.2008, 22:13
Jo, hab das jetzt gelesen, und der Grund warum du keine Antworten bekommen hast, ist, das man da nix zu meckern findet!

Sehr gute Arbeit!!!

Hast du ne Bescheinigung vom Verkehrspsycho? Das wäre gut, aber bei der Vorbereitung geh ich mal davon aus, das du auch daran gedacht hast...

Auf deinen letzten Verstoss solltest du vielleicht noch etwas ausführlicher eingehen, das ist mir nicht ganz klar geworden was da gelaufen ist.

War deine Frau schon im Krankenhaus, und du hast dort angerufen wies ihr geht und wolltest schnell hin, oder hast du sie da grad hingefahren?!

Auf den Verstoss musst du besonders gründlich eingehen, weil das ja eine Situation war, die dich deine guten Vorsätze wieder über Bord hat werfen lassen!

Was du bei eurem evtl. nächsten Kind anders machen würdest solltest du dir noch überlegen, aber ansonsten :respekt:

Wenn du noch ein, zwei Stunden wartest, taucht Samuel hier auf, wenn jemand nochwas findet dann er...

MfG

samuel
17.04.2008, 23:29
Da ist schon eine Menge Gutes drin und Du erzählst über eine Menge Änderungen, aber das eigentliche Grundübel wirst Du aus Dir wohl nicht mehr rausbekommen.

Allrdings wurde ich auch sehr selbstbewusst erzogen und hatte eine hohe eigenständigkeit.

Du hast Dir Deine eigenen Regeln gemacht, Du bist der Mittelpunkt Deiner eigenen Galaxis und alles um Dich rum ist.... auch da.

Aber egal, das geht mich gar nichts an.

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Die MPU relevanten Dinge:
Die Geburt meiner Tochter war zusätzlich ein Schlüsselerlebnis für mich.

Für ein Schlüsselerlebnis ist es ein wenig arg knapp, dieweil Du....

Ich habe den Kern meines Problemes erkannt. Durch eingehende Analyse und viel Arbeit an mir selbst bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das Problem in mir liegt und bei keinem anderen. Nur ich kann meine Einstellung ändern und somit gewährleisten, dass ich auch in Zukunft das Gesetzt beachte. Mir ist klar, dass ich durch zu schnelles Fahren keines meiner Ziele besser erreiche. Das entscheidenden ist andere Menschen und mich selbst keiner Gefahr ausszusetzen. Dies ist nur möglich wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten. Andere erwarten und rechnen damit, dass ich mich auch an diese halte. Selbst wenn ich in eine Streßsituation gerate, werde ich nicht versuchen eine Lösung durch zu schnelles Fahren herbei zu führen. Mir ist klar, dass Streß zB. zu Denkblockaden führen kann, da Denken unnötige Zeit in Anspruch nimmt. Da ich als Autofahrer vielen Streßfaktoren wie Lärm, Signale, andere Verkehrsteilnehmer, Stau und Wetter ausgesetzt bin, ist es besonders wichtig zu versuchen den Streß im Griff zu haben. Als weiter Hilfe habe ich mir einen Hinweis auf mein Tachometer gemalt und eine Funktion im Navigationssystem eingerichtet, welche piept wenn ich eine gewisse Geschwindigkeit überschreite. Zb. 50 km/h, 100 km/h und 120 km/h Ich habe begonnen, den Bewegungsmangel, der durch das viele Autofahren besteht, durch häufige Spaziergänge mit meiner Tochter oder/und mit meiner Frau, sowie häufiges Fahrradfahren zu kompensieren. Hierzu habe ich mir ein neues Mountainbike zugelegt. Außerdem sind wir zur Außübung körperlicher Aktivitäten nach Unterbach in eine grüne Umgebung gezogen.
Um mein professionelles Arbeiten zu verbessern, habe ich ein eigenes Büro angemietet. Zuvor habe ich mit im Gemeinschaftsbüro in Solingen gearbeitet oder im Haus der Familie, wo ich jeweils durch di anderen Mitarbeiter bzw. andere Familienmitglieder abgelenkt war. Wir haben auch mehr Mitarbeiter eingestellt um die Aufgaben besser zu verteilen. Mir ist bewusst, dass die Äußeren Einflüsse nur unterstützend gelten und die eigentliche Veränderung von mir selbst ausgeht. Die 6 Monatige Sperrfrist hat mir zusätzlich geholfen zu Erkennen, dass ich wirklich gegen das Gesetz verstoße habe und eine potentielle Gefahr für die Allgemeinheit darstellte. Ich habe auch durch meine neue Persepktive als Beifahrer interessante Erekntnisse gewonnen. So habe ich zum Beispiel festgestellt, wie verrückt ich damals aus Sicht der anderen Autofahrer gewirkt habe. Ich habe mein früheres Ich in den anderen Rasern um mich herum widerentdeckt und ein starkes Schamgefühl empfunden. Mir ist bewusst, dass ich damals eine vollkommen falsche Einstellung hatte.


....stundenlang belanglose Sülze absondern kannst. Das, was Deine Tochter an Gemeinschaftsgefühl und Sorge und Verantwortung in Dir ausgelöst hat, sollte so lang sein. Dann wäre es ein Schlüsselerlebnis.

Und indem Du das Wunder des Lebens bei Dir begreifst, beginnst Du auch das Leben und die Rechte der Anderen zu achten. Und auf dieser Achtung basieren dann alle Deine weiteren Taten.

Das ist es, was Dir vorher gefehlt hat. Das Gemeinschaftserleben.
Früher Einzelwesen, heute Gemeinschaft. Das sollte Dein Fahrplan sein und nicht all die:

Ich habe Dieses oder Jenes, alles ganz für mich...
Du hast es anders geschrieben, doch der sound bringt nur: ICH

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Wie viele Verstöße hatten sie?
Mir wurden 11 Verstöße mit Punkten belastet. Insgesamt hatte ich noch ein paar mehr, welche aber gar nicht geahndet oder nicht mit Punkten angerechnet wurden.



einfache Rechnung:

Verstöße pro Tag x Tage pro Jahr x Jahre des Führerscheins

ob Du das dann aber ein "paar mehr" nennen solltest, ich weiß nicht recht

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Wie schätzen Sie sich für die damalige Zeit als Fahrer ein?
Es mangelte mir nicht an Fahrerischem können, sondern an reflektiertheit über das eigentliche tun. Ich habe nur oberflächlich über die Konsequenzen nachgedacht.


Würde fahrerrisches Können nicht bedeuten, daß man keine Punkte kassiert?
Dir waren doch die Regeln egal, Hauptsache: ja was eigentlich?

auch hier:
Wie konnten so viele Verstöße zusammenkommen?
Die Anzahl der Verstöße lässt sich rückblickend für mich dadurch erklären, dass ich damals noch in einem unreifen Lebensabschnitt war und speziell auf meine Person bezogen, aufgrund meines übersteigerten Selbsbewusstseins. Welches zum Teil auf meine Erziehung zurück zu führen war. Ich habe die Konsequenzen ignoriert und gedacht, ich komme an einer Strafe vorbei. Die Möglichkeit, dass ich andere Gefärde hatte ich vollkommen ausser Acht gelassen.


Das ist eine Menge drumherum, aber ein richtiges Motiv wie:
Geldgeilheit
Adrenalinkick
Lebensüberdruß
Anerkennung
kannst Du nicht bieten.

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Wird schon werden

Samuel

familyman
18.04.2008, 09:06
Hallo Zusammen, vielen Dank für eure Antworten.
Die Kritik ist sehr hilfreich. Das bei mir ein starker ICH Sound mitschwingt, mag wohl stimmen. Unter diesem Gesichtspunkt betrahchtet, wirkt der Text offensichtlich derart Ichbezogen.

Über die Gefühle zu meiner Tochter zu reden, kam mir immer fehl am Platze vor. Obgleich meine Frau und meine Tochter der Mittelpunkt eines Lebens sind. Da spielt für mich mein berufliches Leben keine Rolle im Kontext gesehen. Ich habe auch mein ganzes Leben dahingehend geändert. Kaum noch unterwegs. Mehr zu Hause. Mehr Freizeit für die Familie. All dieses DInge widersprechen einem erfolgreichen schnellen Aufbau meiner selbsständigen Tätigkeit. Jedoch spielt der berufliche Erfolg im Hinblick auf meine Familie lediglich die Rolle genügend finanzielle Sicherheit zu bieten. Alles darüber hinaus ist nicht so wichtig.
Diese Einstellung wirkt sich auch auf mein Fahrverhalten aus. Es geht mir nur um die Sicherheit beim Fahren. Da ich für meine Familie und die anderen Verkehrsteilnehmer die Verantwortung die mir früher fehlte empfinde. Auch für mich selbst empfinde ich die Verantwortung für meine Sicherheit zu garantieren um für meine Frau und Tochter stets da zu sein.

K.Putnik
18.04.2008, 13:01
Samuel hat das genau richtig erkannt, denke ich:
Das ist es, was Dir vorher gefehlt hat. Das Gemeinschaftserleben.
Früher Einzelwesen, heute Gemeinschaft. Das sollte Dein Fahrplan sein

Du solltest bei deinen ganzen Verstössen bei der MPU verdeutlichen können, das du früher total egozentriert warst, und eben genau deswegen ist es dir nicht in den Sinn gekommen auf andere Rücksicht zu nehmen.

Und obwohl dein Kind schon unterwegs war, und du schon den guten Vorsatz gefasst hattest, kam es zum letzten Verstoss, weil du eben das eigentliche Problem da erst scheinbar erkannt hast.

Aber seit du deine Tochter auf dem Kindersitz hast merkst du erst wie schlimm das ist wenn hinten einer drängelt und wie du dich früher selbst verhalten hast.

Du kannst jetzt eben in die Lage anderer versetzen, wie du z.B. andere Familien damals genervt haben musst mit deiner Raserei...

Naja, du hast den Punkt inzwischen sicher verstanden.

MfG

Anomis
21.04.2008, 10:02
familyman....halt die ohren steif und viel glück:) :)

familyman
22.04.2008, 10:23
Guten Morgen,
hiermit möchte ich mich nochmals für die Hilfe bedanken.
Es hat mir sehr geholfen. Ich habe die MPU Bestanden.
Die Mithilfe in diesem Forum ist bemerkenswert.

Im Nachhinein, muss ich auch sagen, dass das Team der MPU Stelle bestehend aus Ärztin, Sachberabeitern und Psychologin sehr kompetent und professionell waren. Ich habe mich dort fair behandelt gefühlt.

Außerdem habe ich sehr viel über mich selbst gelernt und mich in meiner Persönlichkeit entscheiden weiter entwickelt. In Zukunft wird der Straßenverkehr ein wenig sicherer sein.

samuel
22.04.2008, 22:10
Wo?

Samuel