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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : MPU wegen Fahren ohne FE nach Beschlagnahme


Lewis
20.05.2008, 21:44
Hallo liebe Forum-User,

ich bin vor einigen Tagen auf dieses Forum gestoßen und habe mich ein wenig eingelesen. Auf der Suche nach einem vergleichbaren Fall, stieß ich leider immer nur auf Einträge von Usern, die eine MPU wegen Fahren ohne FE machen müssen, allerdings noch Jugendliche sind/waren (mit Rollern und Rollertuning).

Ich wende mich daher mal direkt an euch und bitte um eure Mithilfe. Vielleicht kennt ihr schon einen ähnlichen Fall oder könnt mir direkt ein paar Tipps geben.

So nun zu meinem Fall:

Einleitend möchte ich meine Vorgeschichte erzählen.
Ich bin häufig zu schnell unterwegs gewesen und habe auch den einen oder anderen "Blitzer" kassiert, bin einmal wegen zu dichtem Auffahren erwischt worden und habe daher auch ein paar Punkte gesammelt (allerdings nichts übertrieben Schlimmes, sofern man das so sagen will), wieviele es sind kann ich momentan leider nicht sagen, werde mir aber (was ich hier in einigen Beiträgen gelesen habe) diese Woche genauere Infos bei der Fsst einholen.

Nun zu den gröberen Verstößen:

Fahren ohne FE (Motorrad): Ich war damals 20 und kaufte mir ein Motorrad mit einer Leistung über den 34 PS, die in der Motorrad-Probezeit erlaubt sind. Ich hatte zu meinem 18ten Geburtstag beide Führerscheine fertig gemacht, allerdings fiel mein Geburtstag auf einen Sonntag und ich wollte nicht abwarten bis Montags ;-) habe dann mit der Fsst gesprochen, die mir den Führerschein bereits Samstags aushändigte, jedoch wollte diese mir erst mal nur den Autoführerschein rausgeben (ich weiß leider nicht wieso). Naja wie dem auch sei, war ich zuerst natürlich mit meinem Auto vollkommen zufrieden und wollte auch zuerst nicht unbedingt gleich Motorrad fahren und holte daher meinen "ganzen" Führerschein erst kanpp 2,5 Monate später ab. Kurz nach meinem 20ten Geburtstag kaufte ich mir dann das Motorrad und fuhr dieses, ich war leider der falschen Annahme, dass mein Führerschein mit bestandener Prüfung bzw. erreichen des 18ten Lebensjahres gilt (hab mich darum auch nicht gekümmert, dachte mir das passt schon), was sich als Fehler herausstellte. Nach einem Unfall (ohne Beeinträchtigung anderer) den ich leider schon nach 2 Wochen hatte, bemerkte dies die Polizei und zeigte mich an. Ich bekam einige Zeit später ein Schreiben mit der Aufforderung 200 € in Form von Tagessätzen zu bezahlen. Mir erschien das noch sehr wenig und ich bezahlte ohne darüber nachzudenken. Ich wusste ich hatte mist gebaut und habe daher sofort angenommen. Leider sind Tagessätze die Vorstrafe bevor man eine Bewährungsstrafe bekommt und da ich noch Jugendlicher war, hätte man dies laut Anwalt (im späteren Verfahren) noch verhandeln können.

So und nun zum Auslöser der MPU:

Ich fuhr abends auf einer kurvigen Landstraße, wo ich eine zeitlang hinter einem "langsam" fahrenden Verkehrsteilnehmer herfuhr (er fuhr nach eigener Aussage 60 km/h bei erlaubten 100 km/h) auf einer relativ kurzen Gerade (allerdings ausreichend) überholte ich diesen. Plötzlich schloss mir dieser schnell auf und nötigte mich durch sehr dichtes Auffahren. Ich machte mir nicht viel daraus und setzte meine Fahrt normal fort. Als wir an einer Ampel zum Stehen kamen, stieg dieser .... aus und versuchte meine Tür zu öffnen - war aber abgeschlossen. Ich öffnete mein Fenster einen Spalt und er begann mich zu beschimpfen, ich ließ mich nicht großartig provozieren und als die Ampel auf Grün schaltete wollte ich einfach wegfahren. Dann trat er gegen mein neues Auto, was ich mir nicht gefallen lassen wollte schon halb abgebogen hielt ich an und öffnete die Tür, um mir sein Nummernschild zu notieren, da stand er schon an meiner Tür und zog mich aus meinem Auto, erwischte mich blöd und meine Schulter kugelte mir aus! Andere Verkehrsteilnehmer an der Kreuzung beobachteten dies und riefen die Polizei, worauf er flüchtete. Mir wurde geraten diesen Kerl anzuzeigen und dies tat ich auch, als die Polizei und der Krankenwagen auftauchten. Ich musste ins Krankenhaus und wurde dort verarztet. Als ich wieder nach Hause kam, warteten schon 2 Polizeibeamte auf mich mit dem Auftrag meinen Führerschein einzuziehen. Natürlich musste ich diesen aushändigen, obwohl mir erst nicht klar war warum. Nach einem Telefonat mit dem zuständigen Beamten, wurde mir eröffnet mein "Gegner" hat Gegenanzeige wegen erheblicher Verkehrgefährdung erstattet (überholen im schlecht sichtbaren Bereich, bei Tempolimit und Überholverbot), was sich in meiner Verhandlung 6 Monate später als Lüge herausstellte. Meine Aussage an diesem Abend es gäbe an dieser Stelle weit und breit weder Überholverbote noch Tempolimits wurde nicht erntsgenommen, nur beruhigend gesagt ich solle am nächsten Tag bei der Staatsanwaltschaft anrufen dann würde sich das bestimmt klären. Da ich mir sicher war, dass ich keine Regeln übersehen hatte, ging ich davon aus ich bekäme meinen Führerschein am nächsten Tag wieder. Am nächsten Tag bekam ich Besuch von einem Freund dem ich mein neues Auto zeigen wollte, zunächst warnte ich ihn schon vor, dass wir das Auto nur anschauen können da mir mein Führerschein am Abend vorher weggenommen wurde, als wir jedoch den "Sound" des Autos anhörten, meinte mein Kumpel, ob wir nicht doch eine kleine Runde durch die Straße am Haus fahren könnten - ich wurde weich :-(
Ein vorbeifahrender Polizist sah mich und erstattete Anzeige, hielt mich aber nicht an. Bei der Verhandlung ein halbes Jahr später wurde auch wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis gegen mich prozessiert. Urteil: Freispruch wegen Verdachts auf erhebliche Verkehrgefährdung, allerdings zu dem Vorwurf des Fahrens ohne FE bekannte ich mich schuldig und bekam eine Sperre von 12 Monaten zu den ohnehin schon abgesessenen 6 Monaten, zusätzlich noch eine Freiheitsstrafe von 2 Monaten auf Bewährung. Jetzt nach dieser Sperre stellte ich Antrag auf Wiedererteilung und man sagte mir man müsse meine Eignung auf Fahrtauglichkeit im Hinblick darauf beurteilen, ob ich Verkehrsregeln weiterhin missachte.

Jetzt frage ich mich, was da auf mich zukommt und inwiefern ich argumentieren sollte. Ich habe natürlich daraus gelernt. Ich habe seither kein Fahrzeug mehr bewegt und mir natürlich auch nichts mehr zu schulden kommen lassen, was ja eigentlich schon für einen Lernerfolg spricht. Ich weiß, dass mein Handeln nicht immer angepasst und korrekt war und ich würde auch den Überholvorgang rückgängig machen, wenn ich könnte, ich gebe ja zu, dass die Gerade nicht wirklich die Beste war zum Überholen allerdings hätte ich nie jemanden gefährdet und bin kein "böser" Mensch. Wenn man mich allerdings fragt wie es zu einer Wandlung kam, wäre die Wahrheit, dass ich eine Bewährungsstrafe bekommen habe und mir erst dann Gedanken über mein Handeln gemacht habe und was hätte passieren können, wäre z.B. ein Motorrad mit höherer Geschwindigkeit um die Kurve nach der Geraden gekommen wäre, welches ich vorher nicht hätte erkennen können. Meine Begründung würde hauptsächlich auf Leichtsinnigkeit, Selbstüberschätzung und Unbedachtheit (da ich aus heutigem Standpunkt nicht nachvollziehen kann wieso ich einen Tag nach meinem Führerscheinentzug nochmal gefahren bin - war an dem Tag wohl einfach nur blöd!) rauslaufen, allerdings glaube ich nicht, dass mich das mit positiven Ergebnis durch die MPU bringen wird. Es ist aber wirklich wahr, dass ich nun eine andere Einstellung gegenüber Verkehrsregeln habe. Wenn ich heute bei jemanden mitfahre verweise ich immer auf die zulässige Geschwindigkeit und sage den Leuten sie sollen nicht so leichtsinnig mit ihrem eigenen Leben und vor allem dem anderer umgehen.

Ich möchte auch noch darauf hinweisen, dass ich meine Taten nicht rechtfertigen will, ich muss das was passiert ist selber verantworten. Es kann sein, dass manche Sätze vielleicht so rüberkommen als sehe ich mich nicht als schuldigen, ich wollte hier jedoch nur die Story einigermaßen verständlich rüberbringen.

Ich danke euch schon mal im Vorraus für eure hilfreichen Tipps, habe beim Lesen hier schon sehr viele wirklich tolle Beiträge gelesen und freue mich diese auch zu meinem Fall zu lesen. Vor allem danke ich auch allen, die sich die Zeit genommen haben diesen sehr langen Beitrag zu lesen.

Viele Grüße

euer Lewis

samuel
21.05.2008, 01:00
@ lewis!

Die MPU ist kein böses Monster, das ist ein einfaches Werkzeug.
Um dies benutzen zu können, muß man einfache Regln beachten.

Leider wird dadurch die subjektive Wahrheit manchmal der kollektiven geopfert werden müssen. Das heißt, mit der Geschichte wirst Du gnadenlos durchfallen.

Ausnahmen bestätigen die Regeln.

------------

Der Gutachter will 3 Hauptfragen beantwortet haben.

Was ist passiert?

Alles was Du je verbrochen hast, vom Kindergarten an.

Warum ist es passiert?

Was kannst Du aus Deinen Delikten + Familiengeschichte ableiten?
Du brauchst ein Problem!

Wieso passiert es nicht wieder?

Du hast Dein Problem bearbeitet und nun im Griff.
Es wird erwartet, daß Du eine Änderung in Deinem Leben unternommen hast.
Es wird Dir abgesprochen diese Änderung ohne Hilfe geschafft zu haben, also solltest Du berichten können, wer Dir geholfen hat. Du und Dein Umfeld müssen diese Änderungen positiv empfinden.

-----------

Eigentlich nicht so schwer, wenn Du ein bischen geschmeidig bist.

Samuel

Lewis
23.05.2008, 22:27
Hallo Leute,

danke dir schon mal Samuel, für deine aufbauenden Worte.

Habe nun mal einen Fragenkatalog beatwortet und würde mich über ein Feedback freuen.


Was ist passiert?
Ich habe die Regeln des Straßenverkehrs mehrfach missachtet.

Warum sind Sie hier?
Ich möchte erklären wie sich mein Verhalten geändert hat und wie es dazu kam.

Wie viele Verstöße hatten sie?
Mir wurden x Verstöße mit Punkten belastet. Insgesamt hatte ich natürlich noch mehr, welche aber nicht geahndet oder mit Punkten angerechnet wurden, ich wurde zum Beispiel auch mal mit einem Handy beim Fahren erwischt, allerdings nicht angezeigt.

Was waren das für Verstöße?
(möglichst Datum und zu welcher Tageszeit - je genauer, desto besser)

Leider habe ich diese noch nicht vorliegen.


Was hätte passieren können bei den jeweiligen Delikten?
Ich hätte einen Unfall verursachen können und dabei andere und mich selbst verletzen können.

Was ist ihrer Meinung nach im Straßenverkehr besonders wichtig?
Die Verkehrsregeln zu beachten, vorausschauend zu fahren und auf die Sicherheit zu achten.
Defensiv zu fahren anstatt offensiv, um auch mal mit plötzlich auftauchenden Gefahren umgehen zu können.

Warum ist es passiert?
Ich hatte ein falsches Verständnis für die jeweiligen Vergehen. Ich handelte egoistisch, leichtfertig und bewertete meine Vergehen nur oberflächlich, nach Ausmaß der Strafen. Ich machte mir keine Gedanken über Konsequenzen außerhalb der Strafen z.B. dass ich andere gefährdet habe und hätte verletzen können. Ich hielt mich für einen normalen Kerl der nicht großartig aufgefallen ist und habe mich selber an Mitmenschen orientiert, deren Vergehen mir schlimmer erschienen und verglich mich mit diesen, anstatt mir Gedanken zu meinem Verhalten zu machen und mich erst mal an meiner eigenen Nase zu packen. Ich war sehr Ich-bezogen und achtete nicht auf die Gemeinschaft, konnte dies nun aber durch meine Hobbys – im Sport – sehr gut umstellen.

Wie konnten so viele Verstöße zusammenkommen?
Die Anzahl der Verstöße lässt sich rückblickend für mich dadurch erklären, dass ich damals noch unreif war und speziell auf meine Person bezogen, welches mich häufig leichtsinnig handeln ließ. Ich habe die Konsequenzen ignoriert und gedacht, ich komme an einer Strafe vorbei. Die Möglichkeit, dass ich andere Gefährde hatte ich vollkommen außer Acht gelassen.

Warum haben sie sich (immer wieder) so verhalten?
Da mich die Bestrafungen nicht zum Nachdenken angeregt haben. Zwischen den einzelnen Übertretungen habe ich nie über das eigentliche Problem, nämlich MEIN falsches Verhalten, nachgedacht. Dies flammte nur ganz kurz in meinem Gewissen auf. Stattdessen habe ich mich nur geärgert, dass ich erwischt worden bin. Dies geriet dann in Kürze wieder in Vergessenheit.

Lewis
23.05.2008, 22:28
Was ist passiert?
Ich habe die Regeln des Straßenverkehrs mehrfach missachtet.

Warum sind Sie hier?
Ich möchte erklären wie sich mein Verhalten geändert hat und wie es dazu kam.

Wie viele Verstöße hatten sie?
Mir wurden x Verstöße mit Punkten belastet. Insgesamt hatte ich natürlich noch mehr, welche aber nicht geahndet oder mit Punkten angerechnet wurden, ich wurde zum Beispiel auch mal mit einem Handy beim Fahren erwischt, allerdings nicht angezeigt.

Was waren das für Verstöße?
(möglichst Datum und zu welcher Tageszeit - je genauer, desto besser)


Was hätte passieren können bei den jeweiligen Delikten?
Ich hätte einen Unfall verursachen können und dabei andere und mich selbst verletzen können.

Was ist ihrer Meinung nach im Straßenverkehr besonders wichtig?
Die Verkehrsregeln zu beachten, vorausschauend zu fahren und auf die Sicherheit zu achten.
Defensiv zu fahren anstatt offensiv, um auch mal mit plötzlich auftauchenden Gefahren umgehen zu können.

Warum ist es passiert?
Ich hatte ein falsches Verständnis für die jeweiligen Vergehen. Ich handelte egoistisch, leichtfertig und bewertete meine Vergehen nur oberflächlich, nach Ausmaß der Strafen. Ich machte mir keine Gedanken über Konsequenzen außerhalb der Strafen z.B. dass ich andere gefährdet habe und hätte verletzen können. Ich hielt mich für einen normalen Kerl der nicht großartig aufgefallen ist und habe mich selber an Mitmenschen orientiert, deren Vergehen mir schlimmer erschienen und verglich mich mit diesen, anstatt mir Gedanken zu meinem Verhalten zu machen und mich erst mal an meiner eigenen Nase zu packen. Ich war sehr Ich-bezogen und achtete nicht auf die Gemeinschaft, konnte dies nun aber durch meine Hobbys – im Sport – sehr gut umstellen.

Wie konnten so viele Verstöße zusammenkommen?
Die Anzahl der Verstöße lässt sich rückblickend für mich dadurch erklären, dass ich damals noch unreif war und speziell auf meine Person bezogen, welches mich häufig leichtsinnig handeln ließ. Ich habe die Konsequenzen ignoriert und gedacht, ich komme an einer Strafe vorbei. Die Möglichkeit, dass ich andere Gefährde hatte ich vollkommen außer Acht gelassen.

Warum haben sie sich (immer wieder) so verhalten?
Da mich die Bestrafungen nicht zum Nachdenken angeregt haben. Zwischen den einzelnen Übertretungen habe ich nie über das eigentliche Problem, nämlich MEIN falsches Verhalten, nachgedacht. Dies flammte nur ganz kurz in meinem Gewissen auf. Stattdessen habe ich mich nur geärgert, dass ich erwischt worden bin. Dies geriet dann in Kürze wieder in Vergessenheit.

Wie war Ihre Gefühlslage bei diesen Delikten, (bitte jedes Delikt einzeln bewerten)


Was haben Sie als Ursache für die Verstöße herausgefunden, hatten Sie dabei Hilfe?
Ich habe als Ursache meine persönlichen Charaktereigenschaften identifiziert. Ich habe mich damals überschätzt und war egoistisch. Dies habe ich durch eigenes Überlegen herausgefunden. Zusätzlich hatte ich Hilfe durch meine Eltern, denen ich durch mein Handeln auch mehrere Bestrafungen einbrachte, was ich wirklich sehr bereue (Abmahnung in der Arbeitsstelle, Auferlegung eines Fahrtenbuchs, Bußgeld 3000€). Außerdem hatte ich Hilfe von Freunden, welchen ich mich erstmals auch kritisch stellte, diese wiesen mich darauf hin, dass es nicht aus Ungerechtigkeit passierte, sondern, dass ich selbst verantwortlich bin. Ich hätte beim Autofahren nicht über die Konsequenzen von zu schnellem Fahren und der Missachtung der Regeln nachgedacht und hätte überheblich – über dem Gesetz stehend - gehandelt. Damit hatten sie Recht, habe ich festgestellt. Ein Freund überholte auch einmal leichtsinnig und verursachte dadurch einen Unfall mit einem Motorradfahrer, der seinen Verletzungen erlag! Er war Familienvater und hinterließ seine Familie, das war ein sehr großer Schock, da ich das sehr gut nachempfinden kann, mein Vater erlitt auch schon mehrfach schwere Krankheiten (Herzinfarkt, Aneurysma) wo man nicht wusste ob ich meinen Vater wieder sehen würde. Als ich mich in die Situation der Familie versetzte wurde mir bewusst, was durch meine Leichtsinnigkeit hätte passieren können und welche Konsequenzen das für die anderen hat.

Wie schätzen Sie sich für die damalige Zeit als Fahrer ein?
Es mangelte mir nicht an fahrerischem Können, sondern an Reflektiertheit über das eigentliche Tun. Ich habe nur oberflächlich über die Konsequenzen nachgedacht und nahm Risiken unbedacht in Kauf. Ich suchte beim Autofahren häufig den Adrenalinkick und erwartete Anerkennung, dies bekomme ich nun im Sport mit Freunden.

Wie haben sie auf das Verhalten der Polizei reagiert nachdem sie gestoppt oder gelasert wurden?
Ich habe mein Fehlverhalten akzeptiert, jedoch nicht über die Gründe oder eine Strategie zur zukünftigen Vermeidung nachgedacht.

Wie haben sie auf die ersten Verwarn- bzw. Bußgelder reagiert?
Ich habe mich über mich selbst geärgert, und zu Begin aber keine Gedanken zur Ursache unternommen. Später habe ich dies getan.

Was hatten sie sich vorgenommen, um keine Verkehrssünden zu begehen?
Auf die Geschwindigkeit zu achten. Dies war allerdings zu wenig und ging nicht auf den Kern meines Problems ein.

Warum konnten sie ihre guten Vorsätze nicht einhalten?
Weil ich nicht reflektiert genug über die wahren Gründe nachgedacht habe. Früher habe ich mich selbst nicht als Problem gesehen.

Gibt es ein Zusammenhang zwischen dem Punktesammeln und bestimmten Ereignissen in ihrem Leben?
Mein nicht bestandenes Abitur, welches sich öfter von eigener Unzufriedenheit in Agressionen wandelte, ich wollte nicht wahrhaben, dass ich Fehler gemacht habe und fühlte mich oft auch in der Schule ungerecht behandelt. Heute weiß ich, dass ich mir das selbst zuzuschreiben habe, wo ich früher gerne alles auf den Lehrer schob. Ich muss für Fehler selbst geradestehen und versuchen diese von vornherein auszuschließen bzw. schnellstmöglich etwas dagegen zu unternehmen.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Verhalten reagiert?
Es wurde anfangs nicht besonders kommentiert, als ich jedoch die Bewährungsstrafe und die Sperrfrist bekam, haben wir das Thema mehr besprochen und die Gründe herausgearbeitet. Ich ließ mich erstmals auch kritisieren, was mir vorher schwer gefallen war.

Wieso passiert es nicht wieder?
Ich habe den Kern meiner Verantwortung erkannt. Durch eingehende Analyse und viel Arbeit an mir selbst bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das Problem in mir liegt und bei keinem anderen – ich trage die Verantwortung für mein Handeln. Nur ich kann meine Einstellung ändern und somit gewährleisten, dass ich auch in Zukunft das Gesetzt beachte. Mir ist klar, dass ich durch zu schnelles Fahren keines meiner Ziele besser erreiche oder kompensiere. Das entscheidende ist andere Menschen und mich selbst keiner Gefahr auszusetzen. Dies ist nur möglich wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten. Andere erwarten und rechnen damit, dass ich mich auch an diese halte. Selbst wenn ich in eine Stresssituation gerate, werde ich nicht versuchen eine Lösung durch zu schnelles Fahren herbei zu führen. Mir ist klar, dass Stress z.B. zu Denkblockaden führen kann, da Denken unnötige Zeit in Anspruch nimmt. Da ich als Autofahrer vielen Stressfaktoren wie Lärm, Signale, andere Verkehrsteilnehmer, Stau und Wetter ausgesetzt bin, ist es besonders wichtig zu versuchen den Stress im Griff zu haben. Ich habe begonnen, durch viel Sport, sowie häufiges Fahrradfahren Stress zu kompensieren. Hierzu habe ich mir ein neues Mountainbike zugelegt.
Ich habe mir neue Pläne über meine Zukunft gemacht und habe eine Ausbildung begonnen, wofür ich sehr engagiert bin. Glücklicherweise fand ich ein sehr gutes Unternehmen in dem man auch sehr gute Chancen hat. Mir ist bewusst, dass die Äußeren Einflüsse nur unterstützend gelten und die eigentliche Veränderung von mir selbst ausgeht. Die 12 monatige Sperrfrist und natürlich vor allem die Bewährungsstrafe haben mir zusätzlich geholfen zu erkennen, dass ich wirklich gegen das Gesetz verstoßen habe und eine potentielle Gefahr für die Allgemeinheit darstellte. Ich habe auch durch meine neue Perspektive als Beifahrer interessante Erkenntnisse gewonnen. So habe ich zum Beispiel festgestellt, wie verrückt ich damals aus Sicht der anderen Autofahrer gewirkt habe. Ich habe mein früheres Ich in den anderen Rasern um mich herum wiederentdeckt und ein starkes Schamgefühl empfunden. Mir ist bewusst, dass ich damals eine vollkommen falsche Einstellung hatte.

Lewis
23.05.2008, 22:29
Was war der konkrete Anlass für Ihr Umdenken?
Zuerst mal die Abmahnung meines Vaters, die er auf Grund meiner häufigen Vergehen mit seinem Geschäftswagen bekommen hat. Danach der Vorfall vom November 2006 mit Vorladung vor Gericht und die anschließende Strafe, vor allem die Bewährungsstrafe. Dabei ist mir klar geworden, dass die Erkenntnis, dass ich etwas falsch gemacht habe nicht ausreicht. Ich muss auch wissen, dass ich wirklich etwas tun muss. Zu guter letzt dann der Führerscheinentzug. Ich bin nun noch kritischer mit mir umgegangen und habe endgültig jegliche Schuld nur noch auf mich alleine projeziert. Der Vorfall meines Freundes mit dem verunglückten Motorradfahrer hat auch mein Verantwortungsgefühl ggü. den Mitmenschen, also allen anderen Menschen einschl. derer im gesamt. öffentl. Straßenverkehr geändert.

Was haben Sie an Änderungen unternommen?
Ich habe meine Einstellung gegenüber anderen geändert. Ich habe mich psychologisch beraten lassen.
Konkret habe ich zum Beispiel, neue Hobbys gesucht, heute treibe ich viel Sport wie Fahrrad fahren und Tennis spielen und habe dadurch einen sehr schönen Augleich zu Stress gefunden. Ich kalkuliere mir nun immer mehr Zeit ein, wo ich früher immer morgens unter Zeitdruck stand, stehe ich heute einfach früher auf und plane mehr Zeit für Fahrten zur Arbeitsstelle oder sonstigem ein. Ich plane ein „ruhigeres“ Auto zu kaufen (einen Kombi) mit dem ich auch meiner Freizeit nachkommen kann, am besten mit Tempomat, was zusätzlichen Komfort und Entspannung bringen soll und ich will auch eine Freisprechanlage im Auto einbauen, damit ich diesem Vergehen von vornherein aus dem Weg gehe.

Wer hat Ihnen dabei wie geholfen?
Eine Psychologin in meiner Stadt, erörterte mit mir mein Verhalten im Bezug auf die einzelnen Vergehen und arbeitete persönliche Hintergründe mit mir heraus. Auch mein Onkel, er ist Rektor an einer Schule, führte eingehende Gespräche mit mir, er zeigte mir auf wie sich Geschwindigkeiten auf die Reaktionszeit und den Bremsweg auswirken. Er selbst ist Motorradfahrer und erklärte mir, wie schnell die eigene Überschätzung zu schwerwiegenden Unfällen führen kann. Die Erfahrungen meines Freundes mit dem Motorradunfall und das Internet, halfen mir die Situationen anders zu erkennen. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich zu einer extremen Minderheit gehöre. Es sind wohl unter 1% der Verkehrsteilnehmer die in meiner Situation stecken. Auch Gespräche mit meiner Freundin zeigten mir meine Probleme auf. Früher hatten wir oft Auseinandersetzungen, da ich mir keine Fehler eingestehen wollte und dadurch immer weiter anhielten. Mir wurde klar, dass alles mit meinen persönlichen Charakterschwächen zusammenhing.

Wie empfinden sie diese Änderungen?
Als große Bereicherung für meine persönliche Entwicklung. Durch eine strukturiertere Lebensplanung, beruflich als auch privat gehe ich viel entspannter durch das Leben. Ich fühle mich auch besser und weniger angespannt.

Lewis
23.05.2008, 22:30
Wie reagiert Ihr Umfeld auf diese Änderungen?
Durchweg positiv. Bis auf entfernte Bekannte, die beklagen ich hätte nun keine Zeit mehr für sie. Ich habe mein Verhalten grundsätzlich geändert und werde dadurch auch mehr geschätzt, was ein sehr großer Vorteil für mich persönlich ist und sich auch somit meine Freizeitgestaltung positiv gewandelt hat. Mit meiner langjährigen Freundin stieß ich früher häufig auf Konfrontationen, was ich nun auf meine mangelnde Kritikfähigkeit zurückführen kann. Heute läuft unsere Beziehung sehr viel harmonischer, weil wir Probleme nun sofort offen ansprechen und diese aus dem Weg räumen, jetzt planen wir schon eine eigene Wohnung.

Gibt es negative Rückmeldungen zu Ihrem jetzigen Leben?
Einige Bekannte beklagen, dass ich weniger Zeit für Sie habe, dies ist mir jedoch egal. Da ich mich jetzt nur noch mit ausreichend Zeit um wesentliche Dinge kümmere. Ich nehme mir Zeit für einzelne Dinge. Anderes muss warten oder ist eben nicht machbar.

Welche Einstellung zur Verkehrssicherheit haben sie heute und was ist daran neu?
Heute vertrete ich die Einstellung, dass ich mich an die Verkehrsregeln halten muss und auch konzentriert darauf achten muss diese einzuhalten. Die Gewährleistung der Sicherheit Anderer und meiner selbst ist nur dann gesichert, wenn ich penibel darauf achte, dass ich alle Regeln beachte. Neu ist daran, dass ich früher zwar grundsätzlich versucht habe die Verkehrsregeln zu beachten, aber meine eigenen Ausnahmen gestaltet hatte. Dass ich ZB. auf einer übersichtlichen Landstraße oder der Autobahn ruhig ein wenig schneller sein dürfte, ging damit aber häufig Risiken ein. Heute sehe ich das anders. Ich weiß, dass ich mich immer und ausnahmslos an alle Regeln halten muss, da Sie für alle gleich gelten. Und nur bei Einhaltung aller Regeln durch alle, eine Sicherheit im Straßenverkehr möglich ist. Wenn ich ZB. eine Regel missachte, kann der andere dies zum einen nicht wissen und nicht darauf vorbereitet sein und ich kann die Kontrolle über das Auto nicht mehr gewährleisten.

Was wollen sie konkret tun, damit sie ihre Vorsätze diesmal einhalten können?
Ich habe bereits etwas getan, und zwar mich mit mir selbst beschäftigt und herausgefunden warum es damals dazu kam. Ich habe nun keinen Vorsatz sondern meine Lebenseinstellung verändert. Meine Strategie ist langfristig ausgelegt auf mein gesamtes Leben und nicht nur für die nächsten paar Autofahrten. Ich möchte aus dieser Angelegenheit gestärkt hervorgehen. Ich habe den Führerscheinentzug und die Anordnung mittlerweile als Chance identifiziert und bin froh, dass ich hierdurch zu meinen heutigen Erkenntnissen gelangt bin. Dazu gehört zum Beispiel, Kritik immer anzunehmen und zu überdenken. Dies schließt natürlich auch das hier gesagte ein.

Was könnte ihre guten Vorsätze wieder zum scheitern bringen?
Nichts, da ich erkannt habe wo das Problem liegt und ich bei der nächsten Auffälligkeit sofort Hilfe aufsuchen werde. Ich bin inzwischen reifer und habe andere Ansichten, das Auto dient mir hauptsächlich, um zur Arbeit zu kommen und längere Strecken flexibel zu überbrücken. Freizeitaktivitäten erreiche ich meistens sehr gut mit dem Fahrrad, wobei das Fahrrad auch ein Bestandteil des Ausflugs darstellt.

Was wollen Sie unternehmen, wenn Sie einen Rückfall bemerken?
Ich würde mich zu einem Beratungsgespräch bei einem Verkehrspsychologen anmelden und mir eine Empfehlung für Maßnahen geben lassen, die mir weiterhelfen.

samuel
24.05.2008, 00:02
Da ist schon eine Menge drin, wobei es ziemlich durcheinander ist.

Hattest Du, im oberen Teil, in der Schule nur Streß, bist Du bei Deiner Freundin "Nicht Kritikfähig"

Auch legst Du die Betonung zu sehr auf die Heilsamkeit der Strafe, was aber bei Dir eigentlich gar nicht funktioniert, wie Du selber beschrieben hast:
Die Anzahl der Verstöße lässt sich rückblickend für mich dadurch erklären, dass ich damals noch unreif war und speziell auf meine Person bezogen, welches mich häufig leichtsinnig handeln ließ. Ich habe die Konsequenzen ignoriert und gedacht, ich komme an einer Strafe vorbei. Die Möglichkeit, dass ich andere Gefährde hatte ich vollkommen außer Acht gelassen.

Da scheint viel eher die Erkenntnis zu wirken, daß doch jemand konsequent an Dir handelt. Was wiederum zu der Frage nach den Ursachen Deines Fehlverhaltens führt. Die hast Du nämlich 0 Beantwortet, da Du viel zu spät anfängst.

Das vergeigte Abitur ist schon Auswirkung und nicht Grund.
Der Grund wäre noch früher in Deiner Kindheit zu suchen.

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Wie war Ihre Gefühlslage bei diesen Delikten, (bitte jedes Delikt einzeln bewerten)

Hier wäre die Geschichte mit der Frustbewältigung und dem Adrenalinkick anzusiedeln.
Dazu brauchst Du keinen Auszug aus der Akte.

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Ein paar einfache Beispiele Früher/Heute wären nicht schlecht, um mal konkret zu zeigen, wie die Änderung gegangen ist.

So ein gekauftes Mountainbike ist ja noch keine wirkliche Änderung.

Ich plane ein „ruhigeres“ Auto zu kaufen (einen Kombi) mit dem ich auch meiner Freizeit nachkommen kann, am besten mit Tempomat, was zusätzlichen Komfort und Entspannung bringen soll und ich will auch eine Freisprechanlage im Auto einbauen, damit ich diesem Vergehen von vornherein aus dem Weg gehe.

Das kannst Du ersatzlos streichen. 2 Gründe: Absichtserklärungen sind unnütz, Dinge machen keine Fehler. Du kannst in der Stadt den Tempomaten auch bei 150 kmh einschalten. Der nützt Dir gar nichts.

Samuel