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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Maßlose Enttäuschung


TCOJ
16.08.2004, 15:55
Hab mir gerade mein negatives MPU Ergebnis aus dem Briefkasten geholt. Bin damit gleich zur Führerscheinstelle, um mich über den Inhalt beraten zu lassen (Hab das MPU Gutachten nicht in die Akte legen lassen, sondern wieder mitgenommen).

Vorgeschichte: War politisch aktiv. Radikal bis kriminell. Über Bandendiebstahl sollten daraus Waffen beschafft werden, um den "Umsturz" im Lande zu volliehen. Körperverletzung wie auch Trunkenheit am Steuer sowohl als auch Fahren ohne Führerschein. Die gesamte Palette eines radikalen Lebensganges.

Daraufhin wurde ich zu knapp 4 Jahren verurteilt. Das war letztlich meine Rettung, weil ich hier eine grundlegende Änderung meiner Lebenseinstellung ohne subjektive Einflüsse von außen für mich ganz allein entscheiden konnte. Ich kam gestärkt aus meiner Inhaftierung heraus (auf Bewährung), habe mich selbständig gemacht und bin nach gut 3 Jahren beruflicher Durststrecke erfolgreich im Geschäft.

Ich habe sprichwörtlich mein altes Leben hinter mir gelassen. Entsprechend offen und frei habe ich bei der MPU darüber Zeugnis abgelegt.

Die Trunkenheitsfahrt war '94 mit 1,47 o/oo (kein Unfall, einfache Kontrolle) '98 Körperverletzung und kurz darauf Bandendiebstahl etc.

Ich weiß, dass ich ein übler Zeitgenosse für meine Mitmenschen gewesen bin. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass ich dafür teuer hab bezahlen müssen. Mir wurde nichst geschenkt und während meinem 3jährigen Gang in die Selbständigkeit hab ich mich hautptsächlich von Knäckebrot und Mineralwasser (sinnnbildlich ernährt).

Auf letzters ist man in der MPU erst gar nicht eingegangen.

Der Witz an meiner negativen MPU eigentlich ist (was mir die Führerscheinstelle ebenso bestätigt), dass es eigentlich keine negative MPU ist!

Die ärztliche Untersuchung usw. haben keine auffälligen Befunde ergeben, ebenso wurde mir im psychologischen Gespräch bescheinigt, dass alles logisch nachvollziehbar ist.

Nur: Weil ich keine therapeutische Betreuung in Anspruch genommen habe bin ich trotzdem nicht charakterlich geeignet...?????? zumindest jetzt noch nicht.

Verstehe wer es will. Für mich sind Therapeuten feige, weil zumindest in meinem Fall sie sich hinter Statistiken verstecken, denn so steht bei mir:

"Die Gefahr neuer Alkoholfahrten kann im Vergleich zu den Kraftfahrern mit ähnlicher Vorgeschichte nicht als ausreichend reduziert betrachtet werden. Die statistisch für diese Gruppe hohe Wahrscheinlichkeit eines erneuten Alkoholdelikts lässt sich in seinem Fall durch die spezifischen Befunde der psychologischen und medizinischen Untersuchung nicht hinreichend entkräften. Wir können die Fragestellung daher nur wie folgt beantworten:

Hinweise auf alkoholbedingte Leistungsbeeinträchtigungen ergaben sich nicht..."

Verstehe wer es will... *kopfschüttel*

Kleinlaut
16.08.2004, 16:35
http://www.mpu-idiotentest.com/mpu-forum/images/smilies/zwink.gif

Lilo
17.08.2004, 09:17
Tagchen TCOJ,

Deine Enttäuschung kann ich verstehen. Du paßt wirklich kaum in ein Raster.
Du solltest Dich vielleicht bei Deiner örtlichen Behörde erkundigen, ob es in der Umgebung Sozialstellen gibt, die Dich beraten können, was zu tun ist.
Ich kann die zudem noch das Diskussionsforum der Jurathek (www.************) empfehlen. Dort sind auch sehr nette Leute, die zudem noch rechtlich einiges drauf haben.

Melde Dich bitte weiterhin hier. Mich interessiert es , was Du erfahren hast.

Grüße Lilo

Louis_Ramirez
17.08.2004, 16:50
Hallo TCOJ,

>>"Die Gefahr neuer Alkoholfahrten kann im Vergleich zu den Kraftfahrern mit ähnlicher Vorgeschichte nicht als ausreichend reduziert betrachtet werden. Die statistisch für diese Gruppe hohe Wahrscheinlichkeit eines erneuten Alkoholdelikts lässt sich in seinem Fall durch die spezifischen Befunde der psychologischen und medizinischen Untersuchung nicht hinreichend entkräften. Wir können die Fragestellung daher nur wie folgt beantworten:<<

Hm,... Die Beziehen sich auf statistische Rückfallquoten von Personen ähnlicher Vorgeschichte. Lese ich Deine Geschichte, behaupte ich, dass die Anzahl derer, die eine ähnliche Vorgeschichte wie Du haben, zum Einen gering ist und zum Zweiten wohl so, dass die wenigsten die Chance im Gefängnis so wie Du genutzt haben.

Das heißt einfach, dass Du ein statistischer Ausreisser wärst, und die habens aus verschiedenen Gründen immer besonders schwer ...

Das versteht wer will, hier wohl keiner http://www.mpu-idiotentest.com/mpu-forum/images/smilies/frown.gif

Kleinlaut
17.08.2004, 17:37
TCOJ,

habe gesehen, dass Du versuchst Hilfe in den anderem Forum zu holen.

Du siehst, es ist eine schwierig Sache !!!!!!!!!!!!

Bleib am Ball !!!!!! http://www.mpu-idiotentest.com/mpu-forum/images/smilies/zwink.gif

TCOJ
17.08.2004, 17:54
Hallo an Alle,

erst Mal vielen Dank für die Rückmeldungen. Hat mir schon ein wenig über meine Wut & Enttäuschung & Frust hinweggeholfen.

Erstellt von Louis_Ramirez
... Das heißt einfach, dass Du ein statistischer Ausreisser wärst, und die habens aus verschiedenen Gründen immer besonders schwer ...

Das versteht wer will, hier wohl keiner http://www.mpu-idiotentest.com/mpu-forum/images/smilies/frown.gif


Auto reifen wechseln kann ich selber. Eine Reparatur durchführen kann ich nicht. Dazu brauche ich einen Automechaniker, denn der ist dafür (i.d.R.) ausgebildet und weiß um was es geht. Zumindest muss er wissen, was er da macht. Er kann ja auch nicht anfangen, nach der Statistik zu reparieren, weil die meisten Schäden an den Autos z.B. defekte Sicherungen sind. Ergo tauscht er diese nicht einfach aus, sondern prüft das nach.

Macht er es nicht, dann ist er im falschen Beruf jenseits jeglicher Berufserfahrung oder will schlichtweg einfach Abzocken...

Nun, was nützt diese Erkenntnis? Nichts! Es gibt nun mal Dinge im Leben die man nicht ohne weiteres ändern kann. Sie sind wie sie sind. Kurzfristig gesehen könnte ich nach Gefühl handeln und in blinden Aktionismus übergehen, gar den Psychmenschen aufsuchen, meine Meinung sagen oder mich gar den Gefühlen im Bauch hingeben und mich aktiv gestalten... ;o)
Langfristig und rational gesehen ist nun mal aber um einiges besser, sich an die Problemlösung heranzumachen, wo da das Ziel ist: Führerschein zurück bekommen. Mit dem Gefühl im Bauch, das ja wiederum auch nur kurzfristig anhält bin ich nicht gut bedient.

Ergo gilt abzustecken, was da ist und was man am besten daraus macht.

Zwei gute Sachen hat ja die negative MPU:

1. Ich weiß endlich, wo ich stehe. Das war davor nicht der Fall.

2. Wie mir von der Führerscheinstelle auch bestätigt wurde, stehen da meine Aussagen und die Ausarbeitung der schriftlichen MPU eigentlich im positiven Lichte.

Außer halt eben die noch nicht ganz aufgearbeitete Vergangenheit, bezüglich fehlender externer Hilfe und der statistischen Negativbetrachtung.

Jetzt habe ich fast 3 Jahre Inhaftierung (Rest Bewährung), gut 3 Jahre berufliche Durststrecke überstanden, jetzt werde ich auf den letzten Metern nicht schlapp machen.

Sprich, werde nun regelmäßig Blut für die Leberwerte lassen, werde 5-6 Monate den Therapeuten mit Geldbeutel und meinen Monologen beglücken und ab in die nächste MPU.

Ich möchte mich nicht all zu lang der Wut, der Enttäuschung und dem Frust hingeben. Das ist unproduktiv, bringt mir und anderen nix. Höchstenfalls nur Ärger.

Und in den nächsten Monaten werde ich beruflich noch gefestigter sein. Sollte ich bei der 2. MPU nochmals durchrauschen, dann sind die nötigen Mittel da, um gegebenenfalls eine lange juristischen Auseinandersetzung zu installieren.

Was man nicht vergessen sollte, zumindest bei mir: Ich war eine zeitlang eine Bedrohung für meine Umwelt. Dass da Misstrauen da ist, kann ich verstehen.

Nicht aber nachvollziehen, wenn es um das Thema Resozialisierung, meine bereits verbüßte Tat etc. geht. Ich will dann davon nix mehr hören. Denn das Ergebnis meiner MPU halte ich für feige. Feige, sich hinter einer Statistik zu verstecken, wo doch die Verschiedenartigkeit der Fälle gerade hier immer hochgehoben und stets betont wurde bzw. wird.

Es liegt aber auch an uns, wenn wir eines Tages in einer ähnlichen Situation am längeren Hebel sitzen, nicht dieselben überheblichen oder feigen Fehler begehen. http://www.mpu-idiotentest.com/mpu-forum/images/smilies/zwink.gif

Kleinlaut
17.08.2004, 18:10
Ja, ich bin solchen Menschen schon oft begegnet, wenn sie an dem längeren Hebel sitzen, können sie oft damit nicht umgehen.
Da hab´ich schon manchen Kampf ausgefochten !

Ich finde, Du hast eine gesunde Einstellung, zieh es durch !!!!

Bleib uns zwischenzeitlich erhalten ! http://www.mpu-idiotentest.com/mpu-forum/images/smilies/smile.gif

Lilo
18.08.2004, 09:39
Hi und guten Morgen,

ich denke da vielleicht falsch, aber ich glaube natürlich auch dass es starke Unterschiede in der Begutachtung gibt. Ich weiß ja nicht bei welcher Stelle Du warst, aber mein Vorschlag wäre, zu einer anderen Gutachterstelle zu gehen und ein ehrliches Vorgespräch zu führen.
Das kannst Du, ohne Antragstellung bei FS - Behörde machen.

Vielleicht bekommst Du da noch andere Tipps.

Grüße Lilo

TOM TILLER
18.08.2004, 17:15
Lilo hat recht !!!
sofort den zweiten Anlauf machen,also das Spielchen Antrag auf wiedererteilung zurückziehen und sofort wieder stellen.In deinem Fall mit der Fahrerlaubnisstelle offen sein,andere Prüfstelle aussuchen und in den verbleibenden Wochen zu nem Verkehrspsycho gehen.Ich denke mit deiner geläuterten Biographie hast du ne Gute Chance im zweiten Anlauf zu bestehen !!

TOM TILLER

Gitte
22.08.2004, 22:46
Das klingt nach TÜV wie eh und jeh. Kann mich natürlich auch täuschen.
Da ist er dann wieder der Zwiespalt, jetzt hat man alles richtig gemacht und da sitzen ein paar Psychologen, wenn sie nicht feige sind, Richter spielen wollen.
Man ist enttäuscht, gefrustet, wütend, man könnte ihn verprügeln für diese Unfähigkeit.

Ich habe mich ins Zeug gelegt. Weitere auf mich zugeschnittene Argumente gesucht, diese auswendig gelernt...

45 Tage nach dem negativem Gutachten des TÜVs habe ich ein positives Gutachten erhalten.
Mit der Fahrerlaubnisstelle habe ich nicht offen gesprochen. Der glaubte, er könne mich verarschen, er wolle die Maßnahme des Gutachtens sehen, ehe ich den Antrag zurücknehme und neu stelle. Jaja, verseckeln kann der sich selber, der Blattsortierer.

Du siehst, auch wenn ich heute superglücklich bin, ich schiebe einen enormen Haß, weil das alles nur eine Geldmühle ist, und nichts dahinter steckt. Jetzt haben wir immer noch Wiederholungstäter. Wo bitte sind da die Fähigkeiten der Herren und Damen Psychologen. Fehlentscheidungen getroffen. Wie immer!

bibi30
10.09.2004, 17:05
@Gitte:
Hast Du an einem Kurs/Gruppenkurs teilgenommen ??
Oder Dir alles alleine erarbeitet ?
Wäre hilfreich zu kennen, Deine Antwort.
Ich tendiere immer noch dazu es alleine zu schaffen, ohne das viele Geld für die Therapeuten auszugeben.

:eek:

LG
bibi